Ist Weizen tatsächlich so ungesund?

Alzheimer, Diabetes, Schizophrenie? Der Weizen sei schuld. Auch unter Sportlern greift die Gluten-Panik um sich. Jeder Dritte glaubt mittlerweile, er habe eine Weizenallergie oder gar die Autoimmunerkrankung Zöliakie. Betroffene sind überzeugt, sie könnten ohne Weizen schneller laufen, ihr Wohlbefinden sei besser und ihr Gewicht sei einfacher zu halten. Dies kann allerdings auch ganz einfach an der Ernährungsumstellung liegen. Bei Weglassen von Weißbrot, Pizza und Pasta bedeutet das meist, dass man sich insgesamt gesünder ernährt. Weniger Zucker, weniger schädliche Zusatzstoffe sowie Obst und Gemüse gelangen in den Vordergrund, sodass man ganz automatisch abnimmt und sich besser fühlt. Jedoch kann Weizen auch tatsächlich krank machen.

Weizenprodukte

Was ist Gluten überhaupt?

Gluten ist ein sogenanntes Klebereiweiß, also ein Protein, das in den meisten Getreidesorten wie beispielsweise in Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel und Gerste enthalten ist. Oftmals wird Gluten nicht vollständig in einzelne Aminosäuren zerlegt, daher gilt es als schwer verdaulich. Gluten weist zwar einen geringen Nährwert auf, hat aber vorteilhafte lebensmitteltechnische Eigenschaften. Aus diesem Grund ist das Protein auch in vielen Fertiggerichten und Süßigkeiten zu finden. Hierbei trägt Gluten positiv zur Wasserbindung und Stabilisierung bei und dient zudem als Trägerstoff für Aromen.

Mythos:  Weizen macht dick

Weizenmehl besteht zu fast drei Vierteln aus Kohlenhydraten. Letztendlich sind Kohlenhydrate Zucker, die je nach Komplexität langsamer oder schneller in das Blut aufgenommen werden. Dort erhöhen sie den Blutzuckerspiegel, wodurch der Körper Insulin ausschüttet. Das Insulin sorgt dafür, dass überschüssige Energie als Fettpolster auf den Hüften landet. Die bekannte „Weizenwampe“ ist also kein Mythos. Natürlich sollte niemand so viele Kohlenhydrate essen, dass er davon stark übergewichtig wird, denn starkes Übergewicht erhöht das Diabetes-Risiko und begünstigt entzündliche Prozesse im Körper.  Eine komplette Umstellung auf eine kohlenhydratarme Ernährung führt häufig zu Entzugs-Erscheinungen. Kohlenhydrate sind ein schnell verfügbarer Treibstoff, weswegen der Körper, der lange an diesen Treibstoff gewohnt war, sich erst umstellen, um den automatisch höheren Fett- und Proteinanteil der Nahrung adäquat verwerten zu können. Symptome wie Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Antriebslosigkeit folgen, sind aber in der Regel innerhalb einiger Tage wieder verschwunden.

Mythos:  Weizen macht krank

Weizen zählt unter anderem zu den allergenen Lebensmitteln und ist unter den Getreidesorten häufig für eine Allergie verantwortlich. Durch den wachsenden Konsum an Fertiggerichten nehmen Verbraucher auch mehr Gluten auf. Allerdings sind Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas oder Demenz nicht allein dem Konsum von Weizen oder Gluten zuzuschreiben, denn dies ist wissenschaftlich nicht haltbar. Allerdings verändern Weizenlektine die Struktur der Immunzellen und schwächen so den Schutz vor Krankheitserregern. Außerdem schädigen Weizenlektine, die so genannten Mikrovilli, die Orte der Nährstoffaufnahme im Darm. Dadurch nimmt der Darm weniger Nährstoffe auf – ebenso verschlechtert sich die Bakterienflora. Außerdem führt ein hoher Getreidekonsum generell zu einem niedrigen Vitamin D-Spiegel. Vitamin D spielt jedoch ebenfalls eine wichtige Rolle für ein starkes Immunsystem. Wer also im Winter öfter krank ist, der sollte Weizen möglichst meiden und anderes Getreide nur moderat essen.

Mythos:  Weizen macht dumm

Dieser Mythos ist auf keiner wissenschaftlichen Grundlage begründet, allerdings sollte bekannt sein, dass der Verzehr von beispielsweise zu vielen Fertiggerichten, zuckerhaltigen Lebensmitteln und eben auch zu vielen Kohlenhydraten sich negativ auf die Körperzellen auswirken. Die genannten Lebensmittel tragen zur Verkürzung der Telomere bei, deren Länge ein biologischer Hinweis auf das persönliche Alterungstempo ist. Je länger die Telomere sind, umso langsamer sind die Alterungs- und Krankheitsprozesse. Hier entsteht auch ein Zusammenhang zur Alzheimer-Krankheit. Durch psychischem Stress, Rauchen, Umweltgiften, starkem Übergewicht, zu viel Zucker und Kohlenhydraten werden die Telomere verkürzt und somit auch das Leben. Das schnellere Altern wirkt sich auch in natürlicher Form auf die Gehirntätigkeiten aus. Abhilfe hierbei kann eine geringe Zuckerzufuhr (Zucker, Weißmehl-Produkte, Fertigerichte), eine faserreiche Ernährung (Gemüse und Obst), aerober Sport und Stressabbau durch Achtsamkeit und Meditation sein. Werden diese Möglichkeiten berücksichtigt, so wird das Leben um ein vielfaches verbessert und die Gesundheit bedankt sich sichtlich dafür.

Alternativen zu  Weizen

Lebensmittel wie Reis, Mais, Hirse, Quinoa, Amaranth, Hafer, Dinkel und Emmer können beispielsweise als Alternativen zu Weizen dienen. Diese sollten allerdings auch nicht in großen Mengen verzehrt werden. Weiterhin musst du gar nicht auf deine Lieblingsgerichte verzichten. Nudeln aus Kirchererbsenmehl, Pizza mit einem Boden aus Leinsamenteig oder Brötchen auf der Basis von Quark und Eiern dienen als adäquaten Ersatz für die üblichen weizenhaltigen Gerichte.